Grosses Glück hatte er, der Blasturm von Schwandorf. Mehr als ein halbes Jahrtausend hat er überstanden. Zum einen steht er nicht auf einer der vielbefahrenen Verkehrsadern der Stadt, sondern auf halber Höhe des Weinberges; dort war er niemandem im Wege - und die Spitzhacke verschonte ihn. Zum anderen ist er stabil gebaut, für einen Turmbau des ausgehenden Mittelalters recht geräumig, so dass man ihn zur Not auch als Wohnung einrichten konnte - und auch benützte. Auch das hinderte kühne Stadtplaner, den Abbruch von einem Tag auf den anderen durchzuführen. Schliesslich kam 1825 mit Ludwig I. in Bayern ein König an die Regierung, der den Gemeinden energisch verdeutlichte, dass man Zeugnisse der Vergangenheit erhalten müsse.
So steht der Turm noch heute neben der Auffahrt zum Weinberg, wuchtig, eindrucksvoll, der letzte augenfällige Überrest einer einst ummauerten Stadt. Ursprünglich hiess er Neuturm. Auf dem höchsten Punkt aller Befestigungsanlagen erbaut, diente er als Wachturm. Er besass keine Tordurchfahrt; der Türmer bewohnte die Räume hinter den schützenden Wänden.
Zur 1000-Jahrfeier der Stadt im Jahr 2006 erfuhr der Blasturm eine völlig neue Innengestaltung als Dauerausstellung mit Vitrinen und Ausstellungsgegenständen. Auf Texttafeln wird über die Geschichte des Turmes, über das Türmerwesen und über Konrad Max Kunz informiert. Der Blasturm wurde zu einem Schmuckstück und ist der Höhepunkt bei den Stadtführungen.
Spitzweg, der Maler der Idylle, musste von seiner Münchner Wohnung aus zusehen, wie alte Burghäuser, mitunter auch mit bedeutungsvoll-künstlerischem oder geschichtilichem Wert, einer modernen Stadtplanung weichen mussten. Vielleicht kam daher seine Vorliebe, Zeugnisse und Begebenheiten vergangener Zeiten liebevoll in sein künstlerisches Schaffen einzubeziehen.
Der Blasturm, dieses letzte, deutlich sichtbare Stück einer einst wehrhaften Stadt, hatte es auch ihm angetan. Er hiess die ersten Jahre "Neuturm", später "Blasturm", gelegentlich sagen alte Leute nach dem letzten Trümer auch "Luschnerturm". "Stadtturm", wie Spitzweg ihn bezeichnete, hiess er nie. Der Maler konnte das auch nicht so genau wissen. Er war ja nur auf der Durchreise.



