- Kinospot zu den Felsenkellern
- Ursprung
- Braugewerbe
- Große Bauphase
- Kellerdiebe
- 2. Weltkrieg
- Nachkriegszeit
- Veranstaltungen
- Topographie der Kellerregion
- Kontaktadressen
zu den aktuellen Führungen und Veranstaltungen im Felsenkeller
Progamm 1. Halbjahr 2013 (PDF; 1019 KB) |
Beginn des Felsenkellerbaus
Eisenmarmorierung im Kulturkeller, Fronberger Straße
Zweck des Felsenkellerbaus
Bierbrauen im Felsenkeller, Spitzwegstraße
Kommunbraugewerbe
Wie im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit in der gesamten Oberpfalz, Teilen Frankens und Niederbayerns (Bayerischer Wald) gebräuchlich, lag das von der Obrigkeit konzedierte Recht der Bierproduktion in den Händen der Klöster, Hofmarksherren und vor allem der Kommunbrauer. Voraussetzung für die Genehmigung an letztere allerdings war das Bürgerrecht, verbunden mit Grundbesitz in der jeweiligen Gemeinde.
Die Mappa Christoph Vogels von 1600 in einer Nachzeichnungvon 1825 mit Eingang der Keller
In Schwandorf standen die kommunalen Brauhäuser und Mulzen an der Naab. Dort bereiteten die Brauer ihren Sud und gaben ihn anschließend zur Gärung und Lagerung in die Felsenkeller. War das Bier dann trinkreif, erfolgte der Ausschank in der festgelegten Reihenfolge. Der Kommunbrauer rüstete die "gute Stube" zuhause zur Schenke um und brachte zum Zeichen für frisches Bier einen Zeigl (Zoigl, Zeugl) oder Buschen am Anwesen an. Sobald seine Biervorräte aufgebraucht waren, kam die Reihe an den nächsten Braugenossen, bis schließlich jeder von ihnen einmal den "Schankwirt" gestellt hatte und sich das Spiel von Neuem wiederholte.
Kommunbraugewerbe als bedeutender Wirtschaftsfaktor der Stadt
Bald wuchs das Kommunbraugewerbe in Schwandorf zu einem ansehnlichen Wirtschaftsfaktor. Mußten die Bürger von der Mitte des 15. bis in die 20er Jahre des 16. Jahrhunderts noch Bier von außerhalb zukaufen, so konnten sie schon 40 Jahre später in die umliegenden Ortschaften und Städte, so z. B. nach Regensburg und Nabburg, "exportieren". In der Beschreibung des Pfleg- und Fischmeisteramtes Schwandorf durch Christoph Vogel aus dem Jahr 1600, wird das Brauwesen neben der Landwirtschaft und der Fischerei als wichtigste Einnahmequelle der Stadt und ihrer (Kommunbrau-)Bürger bezeichnet.
Auf der zugehörigen Landkarte sind die Felsenkeller als topographisches Charakteristikum in einer kleinen Kartusche bei der Stadt vermerkt. Das wiederum zeigt, daß ihre Anzahl bereits bedeutend genug war, um hier eine ausdrückliche Erwähnung zu finden. Dieser allgemeine wirtschaftliche Aufschwung wurde lediglich durch den 30jährigen Krieg unterbrochen, in dessen Verlauf nicht nur die Bierherstellung stockte, sondern auch der hiesige Weinanbau endgültig zum Erliegen kam.
Verkauf der Kommunbrauhäuser
Abgangstreppe zum Bergwagner-Keller Raum mit Gurtbögen im Hubmann-System
Kellervisitationen
Allgemein hatte das Schwandorfer Bier bei den Zeitgenossen, nicht zuletzt wegen der "trefflichen Felsenkeller", einen guten Ruf. Doch geschah es nicht selten, daß manche Brauer aus den für einen Sud vorgeschriebenen Scheffeln Malz und Hopfen mehr Bier herstellten als zulässig war und damit die Stammwürze unterschritten. Ebenso war dem Geschmack des Gerstensaftes die Verwendung von Naabwasser für den Brausud nicht sonderlich zuträglich und so mancher Wirt setzte dem eins obendrauf, indem er das Gebräu noch zusätzlich streckte. Jedenfalls kam es im Jahr 1840 vermehrt zu Klagen über die sich verschlechternde Qualität des in Schwandorf erzeugten Biers.
Das Ende des Kommunbrauwesens
Bestrebungen der Regierung im Jahr 1901, das althergebrachte Braurecht aufzuheben, führten zu Beschwerden der Betroffenen und einer Welle des Protests unter der Schwandorfer Bevölkerung. Zu dieser Zeit allerdings, übten nur noch 33 Bürger ihre Brautätigkeit tatsächlich aus. Beinahe vollends zum Erliegen kam das Kommunbrauwesen dann bei Ausbruch des 1. Weltkriegs. Die Männer standen an der Front, die Äcker zu Hause blieben teils unbestellt und es herrschte deshalb allenthalben Mangel an Gerste und Hopfen, den Rohstoffen zur Biererzeugung.
Bild rechts: Raum im "Labyrinth"
Einen weiteren Rückschlag bedeutete 1922 die Einstellung des Braubetriebs durch 12 Kommunbrauer, die ihren "Braurechtsfuß" mit Genehmigung des Stadtrats auf die großen Bierproduzenten Schmidt und Hubmann übertrugen. Der letzte Kommunbraumeister, Simon Dischler, verstarb 1925. Zehn Jahre später verkaufte die Gesellschaft ihren Besitz an die Stadt. Die Privatbrauereien errichteten indessen moderne Gäranlagen und Kühlhäuser, sodaß nun sowohl deren Felsenkeller, als auch die der Kommunbrauer nur noch sekundären Lagerungszwecken dienten.
Kellerdiebe
Jetzt wurden vermehrt landwirtschaftliche Produkte, wie Kartoffeln, Rüben und dergleichen deponiert. Ebenso fanden die Keller als "Kühlschränke" für Lebensmittel des täglichen Bedarfs - wie schon in früheren Zeiten praktiziert - weiterhin Verwendung. Eine wirtschaftliche Nutzung erfuhren einige Keller durch die Lagerung von Spirituosen, Kaffee sowie Fleisch und Wurstwaren des hiesigen Metzgerhandwerks. Dieses reichhaltige "Angebot" rief schließlich 1931/32 die sog. "Kellerdiebe" auf den Plan. Auf ihren Raubzügen, die zumeist vor großen Festtagen stattfanden, durchbrachen sie Abmauerungen und natürliche Felswände und verbanden dadurch voneinander unabhängige Systeme. Sie müssen somit als die eigentlichen "Schöpfer" des sog. "Labyrinths", eines zusammenhängenden Komplexes aus etwa 60 Kellerräumen, angesehen werden.
Luftschutzausbau
Ebenso trug man sich mit dem Gedanken an eine unterirdische Verlagerung von Industrien. Vor allem aber der Keller der Brauerei Hubmann, nachmals "4000-Bunker" genannt, sollte bei potentiellen Luftangriffen der Bevölkerung Zuflucht gewähren. Hier wurde auch die Befehlsstelle des damaligen kommissarischen Bürgermeisters eingerichtet.
Die Bombennacht zum 17. April 1945
Über 6000 Menschen suchten Zuflucht in den Felsenkellern, allein im Hubmann-System hielten sich 4000 Flüchtende in drangvoller Enge über viele Tage hinweg unter unerträglichen hygienischen Bedingungen auf. Die langen, schlauchartigen Keller in der Waldgasse hingegen wurden als Lazaretträume genutzt. Sogar die Zugangstreppen waren mit Verwundeten überfüllt.
Einige Stunden vor diesem verheerenden Luftangriff war auch ein Zug mit 300 - 400 KZ-Insassen in Schwandorf angekommen. Diese bedauernswerten Menschen wurden, von SS-Schergen bewacht, im Ehbauer-Keller auf engstem Raum gefangengehalten.
Bile rechts: Der sog. Dom im Hubmannsystem
Endgültige Aufgabe der Nutzung
So bedeutend und lebensrettend die Rolle der Felsenkeller als Luftschutzbunker für viele tausend Menschen gegen Ende des 2. Weltkriegs auch war, hinterließen diese Ereignisse doch bei den Betroffenen traumatische Erinnerungen und viele wagten erst wieder in heutiger Zeit einen Besuch in den unterirdischen Räumen. Desweiteren schränkte eine Verbruchsphase in hangnahen Bereichen in den Jahren 1950 - 1970 jede potentielle Nutzung ein oder verhinderte sie sogar. In der Regel wurden nur noch die unter dem jeweils eigenen Gebäude liegenden Felsenkeller für eine Lagerung jedweder Art verwendet. Die etwa 60 Räume im Bereich des sog. "Labyrinths" aber blieben weitgehend sich selbst überlassen und wurden in der Nachkriegszeit in großem Ausmaß mit Bauschutt, Beton, Sand, Schrott und Müll verfüllt.
Die historischen, inzwischen denkmalgeschützten Felsenkeller können jedoch sowohl durch ihre Anzahl, als auch ihre Ausdehnung und komplexe Anlage überregionale Einzigartigkeit beanspruchen und müssen zudem als noch existentes bauliches Charakteristikum des einst blühenden und wirtschaftlich bedeutenden Braugewerbes in Schwandorf gelten.
Die Stadt hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, im Einvernehmen mit den Kellerrechtsinhabern sinnvolle Bereiche, u. a. das sog. "Labyrinth", aber auch einzelne andere Keller vor dem weiteren Verfall zu bewahren und sie der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen bzw. durch kulturelle und museale Nutzung einer neuen Verwendung zuzuführen.
Führungen im Felsenkeller-Labyrinth
Veranstaltungen im Felsenkeller an der Fronberger Straße haben sich bereits als kulturelle "Events" in Stadt und Land etabliert. Der Raum selbst besticht durch seine außerordentlich schöne natürliche Gesteinsmarmorierung, deren Ursache die Verwitterung der an die Oberfläche tretenden Eisenpartikel ist und die dem Keller ein ganz besonderes Flair verleiht. In diesem, beinahe "märchenhaften" Ambiente, finden Aufführungen der verschiedensten Art statt. Die Palette reicht dabei von Blues-, Folk- und Jazzkonzerten bis zu Darbietungen schauspielerischer Art, Lesungen, Rezitationen usw. Der Veranstaltungskeller ist beheizt.
zu den aktuellen Veranstaltungen im Felsenkeller
Rot = Lage der Felsenkeller im Schwandorfer Berg
Die Schwandorfer Felsenkeller liegen von Nord nach Süd:
Des weiteren finden sich Felsenkeller auch noch in den eingemeindeten Orten:
Felsenkeller Spitalgarten 1 D-92421 Schwandorf |
|



