Aufruf des Oberbürgermeisters zum Brandanschlag vom 17.12.1988

Am Sonntag jährt sich der Brandanschlag auf das ehemalige „Habermeier-Haus“, bei dem am 17. Dezember 1988 eine dreiköpfige türkische Familie und ein 47jähriger Schwandorfer ihr Leben lassen mussten. Vor 29 Jahren geschah das Unfassbare und wir haben den unbegreiflichen Anschlag nicht vergessen. Wir haben vor allem die Opfer, Osman, Fatma und Mehmet Can und Herrn Jürgen Hübener, die bei dem verbrecherischen Anschlag ums Leben kamen, nicht vergessen. Weil er Ausländer hasste, legte ein damals 19jähriger Rechtsextremist vorsätzlich in dem Gebäude Feuer – den Schwandorfern wird die schreckliche Brandnacht für immer in Erinnerung bleiben.

Dieses abscheuliche Verbrechen darf nicht vergessen werden – wir alle sind aufgerufen, Intoleranz und Gewalt abzulehnen. Wir alle sind aufgefordert, in der Familie, am Arbeitsplatz, im Verein und in allen gesellschaftlichen Bereichen mit Entschlossenheit jeder Diffamierung und jedem Angriff auf Minderheiten entgegen zu treten und sich für die Achtung der Menschenwürde einzusetzen.

Die bundesweiten Berichte und Bilder über Anschläge auf Asylbewerbereinrichtungen beweisen, dass rechtsextremes Gedankengut keine Rücksicht auf das Schicksal verfolgter Menschen nimmt. Wer mit rassistischen Parolen versucht, ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger auszugrenzen, wer sich über Toleranz und sittliche Werte hinwegsetzt, darf nicht mit stillschweigendem Einverständnis rechnen.

Der Schwandorfer Stadtrat hat im Jahre 2009 den einstimmigen Beschluss gefasst, in einer jährlich wiederkehrenden kommunalen Gedenkstunde, die heuer ausnahmsweise am Montag, 18. Dezember, stattfindet, an die Opfer des Brandanschlages zu erinnern und ein Bekenntnis für Frieden und Demokratie abzulegen.

Zu dieser öffentlichen Gedenkstunde, die um 17:00 Uhr beginnt und erstmals unmittelbar am Gedenkstein vor dem ehemaligen „Habermeier-Haus“ stattfindet, lade ich die Bevölkerung unserer Stadt herzlich ein.

Beweisen Sie mit uns gemeinsam, dass Schwandorf bunt ist und keinen Platz bietet für Terror, Gewalt und Extremismus.

Schwandorf, im Dezember 2017
Andreas Feller
Oberbürgermeister