Reden zu den Gedenkfeiern zum Volkstrauertag am 15.11.2020 und zum Gedenken an den Bombenangriff vor 75 Jahren

Mit großem Bedauern hat sich die Stadt Schwandorf dafür entschieden, die Gedenkfeiern zum Volkstrauertag, verbunden mit dem Gedenken an die Opfer des Bombenangriffs auf Schwandorf im April vor 75 Jahren, abzusagen.

Volkstrauertag am 15. November 2020

Liebe Bürgerinnen und Bürger von Schwandorf,

vor 75 Jahren, am 8. Mai 1945, endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa. 75 Jahre sind auch vergangen, seit unsere Stadt am 17. April 1945 in einem verheerenden Bombenangrifffast vollständig zerstört wurde. Nur 15 Minuten eines alliierten Luftangriffes genügten, um unsere Heimatstadt in Schutt und Asche zu legen. 1.250 Menschen verloren in dieser Nacht ihr Leben. Viele, die überlebten, verloren ihre Angehörigen und Freunde, ihr Hab und Gut, ihr Zuhause, ihre Existenz. Die schrecklichen Ereignisse der Nacht des 17. April 1945 haben das Leben und die Entwicklung unserer Stadt nachhaltig verändert und das Leben unserer Bürgerinnen und Bürger bis heute mittelbar oder unmittelbar beeinflusst und geprägt.

Alljährlich kamen wir am Ehrenmal in der Fichtlanlage zusammen, um uns gemeinsam der schrecklichen und tragischen Ereignisse der Nacht vom 17. April 1945 zu erinnern und der vielen Opfer zu gedenken. Mit großem Bedauern mussten wir dieses Jahr die Gedenkfeier am Ehrenmal in der Fichtlanlage wegen der Corona-Pandemie und der damit verbundenen rechtlichen Einschränkungen leider absagen.

Das Corona-Virus und die landesweit verschärften Einschränkungen, die uns vor Infektionen schützen sollen, beherrschen und bestimmen das öffentliche und private Leben und zwingen uns dazu, auch die Gedenkfeiern am Volkstrauertag am Ehrenmal in der Fichtlanlage und in den Ortsteilen abzusagen.

Doch trotz der widrigen Umstände wollen wir den Volkstrauertag in Würde begehen und der Männer, Frauen und Kinder gedenken, die in der Vergangenheit, aber auch in der Gegenwart Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft geworden sind.

Der Volkstrauertag ist als Tag der bewussten Trauer und Mahnung so wichtig. Er erinnert uns an das Leid, das der von Deutschland ausgehende Vernichtungskrieg über die Welt gebracht hat. Über 60 Millionen Menschen fielen ihm und dem Holocaust zum Opfer. Wir müssen uns erinnern, um aus der Geschichte zu lernen, wozu Menschen fähig sind und um nicht zu vergessen, dass Menschenwürde und Demokratie untrennbar miteinander verbunden sind.  

In diesem Jahr ist es 75 Jahre her, dass der Zweite Weltkrieg in Europa zu Ende ging. Die Kriegsfolgen dieser von Menschen entfachten größten Katastrophe des 20. Jahrhunderts haben das Leben von Generationen bis heute durch körperliche und seelische Schäden nachhaltig beeinflusst. Ich bin froh, dass ich in Frieden aufwachsen durfte und heute in einem freien Deutschland und einem demokratischen Europa leben kann.

Wir leben seit 75 Jahren in Frieden, in einem freien und rechtsstaatlichen Land. Doch Krieg ist nicht Geschichte, sondern er ist auch im 21. Jahrhundert noch immer allgegenwärtig. Gewalt, Unterdrückung, Zerstörung und Terror sind nach wie vor weltweit verbreitet.

Wir müssen aus der Vergangenheit Lehren für die Gegenwart und Zukunft ziehen und dürfen nicht in Vergessenheit geraten lassen, was einst geschah. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, wohin Verblendung, Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt gegenüber Andersdenkenden oder Menschen anderer Herkunft oder gegenüber Schwachen führen. Lassen Sie uns deshalb alles in unserer Machtstehende dafür tun, damit Vorurteile abgebaut und Verständnis füreinander geweckt wird.

Für Gewalt und Diskriminierung gibt es keine Entschuldigung. Wir alle sind aufgefordert, jederzeit und überall unseren Beitrag zum Erhalt des Friedens zu leisten. Wir müssen uns im Kleinen und Großen für ein friedvolles, soziales Miteinander sowie Gerechtigkeit einsetzen und für Achtung und Toleranz gegenüber unseren Mitmenschen unabhängig von Herkunft, Glauben oder persönlichen Weltanschauungen eintreten. Glauben Sie mir, jeder noch so kleine Einsatz lohnt sich, und macht die Welt ein Stück weiter besser.

Auch wenn in diesem Jahr keine öffentliche Gedenkveranstaltung stattfinden kann, so wollen wir doch aller Oper von Krieg und Gewalt gedenken und uns erinnern. Ich werde mit meinen beiden Stellvertreterinnen am Kriegerdenkmal in der Fichtlanlage am 15. November 2020 in aller Stille einen Kranz niederlegen, zur Erinnerung an das Geschehene, zum Gedenken an die Opfer und zur Mahnung für den Frieden.

Andreas Feller
Oberbürgermeister

     

Zum Gedenken an den 75. Jahrestag des Bombenangriffs auf die Stadt Schwandorf am 17. April 1945

Mit dem alliierten Bombenangriff in den letzten Kriegstagen kam der Krieg, unter dem die Menschen schon sechs Jahre litten, in seiner ganzen Grausamkeit nach Schwandorf.

Dieser 17. April 1945 hat Tod, Leid und Zerstörung über eine Stadt gebracht, die bis zu diesem Zeitpunkt von Luftangriffen weitgehend verschont geblieben war. Aus einer lebendigen Stadt war eine Stätte des Grauens geworden, nachdem britische und kanadische Fliegerverbände ihre tödliche Last abgeworfen hatten.

  • Ein aus Südengland gestarteter Bomberverband aus 175 Flugzeugen erreichte in der Nacht vom 16. auf den 17. April den Luftraum über Schwandorf und warf kurz vor 4.00 Uhr früh eine Bombenlast von über 600 Tonnen ab.
  • Von den 10.000 Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt und den über 5.000 Flüchtlingen und Soldaten, die sich zum Zeitpunkt der Bombardierung in Schwandorf aufhielten, kamen nach amtlichen Quellen mehr als 1250 Menschen ums Leben, Tausende Verletzte waren zu beklagen.
  • Fürchterliche 15 Minuten dauerte der Bombenangriff – danach lag unsere Stadt zum großen Teil in Schutt und Asche.
  • Vor dem Angriff zählte Schwandorf 1361 Gebäude verschiedenster Art mit 2758 Wohnungen. Bei dem Bombardement wurden 971 Gebäude zerstört oder stark in Mitleidenschaft gezogen, 68 % der Wohnungen waren unbewohnbar geworden.
  • Die städtischen Versorgungsanlagen – Wasser, Strom, Kanal – waren zu 90 Prozent zerstört.

Für die Überlebenden brachte der verheerende Bombenangriff Trauer und Schmerz. Das unvorstellbare Leid und die Bilder der Zerstörungen dürfen wir heute und in Zukunft nicht vergessen.